Marie Noëlle

„Mein Ziel war es, die Frau in Marie Curie zu finden“ (Marie Noëlle)

Das Leben von Marie Curie hat bereits viele Filmemacher inspiriert. Es gibt Serien und Dokumentarfilme, die die Geschichte der ersten weiblichen Nobelpreisträgerin erzählen. Allerdings hat bisher keiner ein so intimes Porträt von ihr gezeichnet wie die Regisseurin Marie Noëlle. Sie hat sich bewusst für die schwierigste Periode in Marie Curies Leben entschieden: Die Zeit nach dem Tod ihres Mannes Pierre Curie und der Liebesbeziehung zu Paul Langevin, die damals einen Skandal auslöste, der in bisherigen Filmen und Serien größtenteils ausgeblendet wird.

Ich wollte von diesem Skandal erzählen […]. Mein Ziel war es nicht, über ihr ganzes Leben zu berichten. Mein Ziel war es, Marie Curies Haltung zu ihren Problemen zu zeigen. Man sieht wie sie mit dem Skandal umgeht und die Art und Weise wie sie ihren Prinzipien treu bleibt. Das hat mich sehr beeindruckt. Es ist nicht einfach, in seinem Leben so wenig Kompromisse wie möglich zu machen. (Marie Noëlle)

Dass Marie Curie es in einer von Männern dominierten Welt nicht leicht hatte, ist allen bekannt, die sich ein wenig mit ihr befasst haben. Die Regisseurin will aber zeigen, dass sie nicht nur stark und kühl, sondern auch sehr sinnlich und warmherzig war.

Noch nie hat man Marie Curie sinnlich gezeigt. (Marie Noëlle)

Marie Curie war für ihre kühle Art bekannt. Marie Noëlle zeigt auch ihre verführerische Seite. Es sind die Bilder ihrer vollen Lippen oder ihres graziösen Rückens, ihre Selbstsicherheit und vor allem die Liebesbeziehung zu  Paul, die ihre Weiblichkeit in den Vordergrund rücken und die Wissenschaftlerin an zweiter Stelle platzieren. Ihre Art verleiht dem Film eine warme Note, die mithilfe von vielen malerischen Sequenzen, die an Gemälde von Ingres und Élisabeth Vigée-Lebrun erinnern, noch mehr betont wird. Marie Noëlle selbst sagt, dass sie unter anderem vom dänischen Maler Vilhelm Hammershøi, dem Videokünstler Bill Viola und vor allem dem surrealistischen Maler Goya inspiriert wurde. Kunst und Ästhetik spielen eine sehr wichtige Rolle in ihren Filmen, da Marie Noëlle bereits als Kind einen starken Bezug zur Malerei hatte.

Für mich war die Malerei immer ein Rückzugsort, etwas das mich aufmunterte. Malerei hat für mich immer etwas sehr Narratives. Deshalb ist sie sehr stark mit meiner filmischen Kunst verbunden. Als ich 12 Jahre alt war, war ich fasziniert davon, Bewegung in meinen Bildern darzustellen. Ich habe vieles ausprobiert und die verschiedensten Materialen verwendet, um dieses Gefühl von Bewegung zu haben. Ich habe damals nicht darüber nachgedacht, dass es ein Video werden kann. Jetzt sehe ich klarer. (Marie Noëlle)

In Marie Noëlles Film sind ihre künstlerischen Einflüsse deutlich erkennbar. Physiker und Chemiker werden merken, dass auch aus wissenschaftlicher Perspektive sehr authentische Bilder kreiert wurden. Das liegt unter anderem daran, dass Marie Noëlle selbst aus dem naturwissenschaftlichen Milieu kommt. Sie hat Mathematik studiert. Ihr Mann war Physiker und Forscher. In ihrem Film scheint sie beides, Kunst und Wissenschaft, miteinander verbinden zu wollen.

Ich weiß, wie die Wissenschaft funktioniert. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Kunst und Wissenschaft. Diese Art der Zelebrierung, wenn man den Dingen auf den Grund geht, ist etwas über das man nie spricht. Deshalb wirkt das Forschungsmilieu für viele Menschen langweilig. Das macht mich traurig. (Marie Noëlle)

Marie Noëlles Erfahrungen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich lassen den Film durchaus glaubwürdiger erscheinen. Allerdings teilt sie einen noch wichtigeren Aspekt mit der Protagonistin ihres Films. Sie ist eine Frau in einer von Männern dominierten Welt und hat zuerst mit ihrem Mann zusammengearbeitet.

Einer Frau vertraut der Produzent von Grund aus schon weniger […]. Das liegt vielleicht daran, dass Frauen häufig weniger forsch und unsicherer sind als Männer. Sie akzeptieren Kritik und hören zu. Ein Mann würde sagen: Du kannst mich mal! (Marie Noëlle)

Marie Noelle gibt zu, dass etwas übertreibt. Das wichtigste für sie ist, dass man dem nachgeht, worauf man Lust hast und, dass man sich dafür verantwortlich fühlt. Marie Curie war der Ansicht, dass jedes Talent ausgeschöpft werden sollte. Ich neige dazu, auch so zu denken. (Marie Noëlle)

 

Anmerkung: Die Zitate wurden von Anastasia vom Französischen ins Deutsche übersetzt.

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